Selbstbetrachtung
Ich-zerfall
Vermutlich sind Denken, Ordnen, Analysieren und Strukturieren unverzichtbare Bestandteile des Malens. Ihren Zusammenhang zur Malerei konnte ich aber niemals klären. Im Gegenteil: mit den Jahren wurde mir der Zusammenhang immer fragwürdiger. Wenn ich mit meiner Arbeit beginne, dann habe ich eine Vorstellung, von dem was ich gestalten will. Im Verlauf der Arbeit ist mir dieser Antrieb aber schnell im Weg. Er lähmt die Kreativität. Bilder entstehen nicht im Kopf. Bilder entstehen auf der Leinwand. Und habe ich nicht recht? Zu Beginn eines gelungenen Gestaltungsprozesses weiß der Künstler nicht, was er sagen will, und am Ende weiß er nicht, was er gesagt hat. Das Malen ist für mich ein ewiger Kampf um Freiheit. Ich bin getrieben von der Sehnsucht nach Ich-zerfall. Wenn ich nach dem Rausch auf die Spuren meines sündhaften Handelns gucke, beginnt die Reflexion. Ich benötige viel Distanz, um meine Abdrücke zu bewerten. Nehme ich das Ergebnis an, dann ist es geschafft.
Iste ego sum!
Aber diese Befriedigung ist nur kurzweilig.
Meine Freunde
Freunde, das sind all die Kreaturen, die mir beim Überleben helfen. Ich bin nicht allein. Da ist Nähe, Berühren, Zärtlichkeit. Meine Frau sagt: „Geh in den Keller. Es ist Zeit.“ Ich gehorche. Meine Freunde sind Produkte der Einsamkeit. Ob sie das weiß? Meine Freunde geben mir Selbstgewissheit. Ihr Anblick beruhigt. Mit jeder Geburt überwinde ich den Tod. Aber dann kommt die Angst. Ob ich es noch einmal schaffe?
Mein Antrieb
Ich gehe allein mit meinen Bildern. Sprachlosigkeit ist mein Antrieb. Niemand fragt nach dem Anfang. Niemand fragt nach dem Ende.

Vampire
| Josephine: | Fühlst Du Dich wie ein Vampir? |
| Marco: | Ja, ich mag Vampire. Ich glaube wir haben eine Seelenverwandtschaft. |
| J: | Deswegen malst Du Vampire? |
| M: | In meinen Bildern suche ich immer nach mir selbst. Hast Du etwas gegen Vampire? |
| J: | Nein, aber … |
| M: | Du solltest nicht vorschnell urteilen. Bei allen Gemeinsamkeiten haben Vampire sehr differenzierte Charaktere. Es bedarf großer Sorgfalt, um einen Vampir zu malen. Zudem sind sie schüchtern, sehr anspruchsvoll und manchmal ausgesprochen arrogant. Es ist nicht einfach einen Vampir zu befriedigen. |
| J: | Hast Du häufig Kontakt zu Vampiren? |
| M: | Sie gehen bei mir aus und ein und öfters bleiben sie bei Nacht. |
| J: | Gibt es auch weibliche Vampire? |
| M: | Ja, unbedingt. |

Der Tod
… Aber dies: den Tod,
den ganzen Tod, noch vor dem Leben so
sanft zu enthalten und nicht bös zu sein,
ist unbeschreiblich.
Ich verfolge die Reisen der kleinen Companions, die Brian Donelly durch die Tempel der Lust schickt. Der Tod ist kaum zu erkennen. Mit einer unglaublichen Beiläufigkeit umschmeichelt er seine Opfer. Sind die Erlösten dankbar? Wie lässt sich ihre zärtliche, fast erotische Beziehung zum Tod erklären?
Das muss doch jeden Künstler triggern. Erst wenn sich Chanel, Dior oder Yves Saint Laurent mit dem süßen Duft von Fäulnis und Verwesung vereinen entfaltet sich Kreativität. Lässt sich diese Erkenntnis nutzbringend verwerten? Nein, sicher nicht. Kunst führt uns ans Fenster. Sie stößt es auf. Sie weist ins Freie: Das ist das Leben.
Malerei ist ein ewiger Fluss
Ich liebe Mangas, weil die kleinen Bilder so schnell gezeichnet sind. Ich kann nur schnell arbeiten. Beim Malen muss man immer beweglich sein, das ist das Wichtigste. Man darf sich an nichts und niemanden klammern. Das Malen ist ein ewiger Fluss. Er reist mich mit. Jeden Augenblick kann die ungewisse Reise eine neue Richtung nehmen. Ängstlichkeit ist unter allen Umständen zu vermeiden. Ein guter Künstler kann die Führung abgeben.